Von Farben, der Liebe und warum gutes Design Zeit braucht: Carole Baijings von Scholten & Baijings im Interview

Scholten & Baijings Interview

Eine Stimme, sanft und melodisch. Sie erinnert mich an feminine Kleider aus den 40er Jahren und gehört zu Carole Baijings. Vor ein paar Tagen durfte ich ein Telefon-Interview mit der niederländischen Designerin von Scholten & Baijings führen. Sie berichtete mir von der Entstehung von Scholten & Baijings, von ihrer gemeinsamen Arbeit mit Ehemann Stefan Scholten und ihrer Liebe zu Farben.

Gleich zu Beginn des Gesprächs stellt Carole klar, dass sie stellvertretend auch für ihren Mann spricht – denn sie gehören zusammen und können nur als Team verstanden werden. Nach einem kurzen Small Talk, bei dem wir beide viel lachen, frage ich sie „Should we start?“ – wir führen das Interview auf Englisch.

Wann hast du entdeckt, dass du als Designerin arbeiten möchtest?

Also, Stefan war bereits Designer, als wir uns getroffen haben. Und ihn zu treffen bedeutete auch auf Design zu treffen. Direkt nachdem wir uns getroffen haben, habe ich angefangen ihm zu helfen. Mit Stefan habe ich also mit dem Design angefangen. Fünf Jahre haben wir zusammen an der Design Academy unterrichtet. Aber vor vier Jahren haben wir damit aufgehört, weil wir zu viel unterwegs sind.

Dann entstand der Wunsch, als Designerin zu arbeiten, während der Begegnung mit deinem Mann…

Ja. Er ist von der Sorte Designer, die immer und überall alles skizzieren und nun haben wir die Ideen zusammen. Wir verbringen 24 Stunden am Tag gemeinsam und entwickeln die Ideen zusammen – während wir frühstücken, im Auto sitzen oder reisen. Es liegt quasi in unserer Natur. Zuerst haben wir uns verliebt und dann hat die Zusammenarbeit begonnen. Ich glaube das ist aber nichts, woran du denkst, wenn du jemanden triffst. Nach dem Motto „Oh, für den Rest meines Lebens werde ich 24 Stunden am Tag mit dir zusammen sein.“

Wir lachen. Nein, sowas denkt wohl keiner.

Der Hay - S&B Dot Carpet in hot pink

13Eighty Stuhl von Hay mit Untergestell in Grey White / Sitzfläche Nude
Die Hay - Colour Vase Glasvase in L, grün
Colour Plaid Wolldecke Farbe: No. 3 von Hay
Der Karimoku New Standard - Colour Wood Plain in natur, medium
Hay - Scholten & Baijings Handtuch, Autumn yellow
Die Hay - Paper Porcelain Vase in M
Karimoku New Standard - Colour Bin, large, hellgrün
 
 

Scholten & Baijings kreiert eine große Bandbreite an Produkten – von Handtüchern, über Porzellan bis hin zu Stühlen. Ihr legt euch also auf keine bestimmte Kategorie fest. Nach welchen Maßgaben arbeitet ihr stattdessen?

Bei uns geht es immer um Interior-Produkte.

Für dich besteht eine Beziehung zwischen unserem Körper, unserem Wohlbefinden und dem Produkt.

Ja, genau, ein Raum sollte sich immer gut anfühlen. Genau wie das Produkt. Zum Beispiel der neue 13Eighty Chair, den wir für HAY gemacht haben, ist ein Stuhl aus Plastik. Aber er fühlt sich ganz anders an, weil wir ihn mit 13.800 Löchern versehen haben. Das Material an sich wurde also in ein Material transformiert, das nun das Licht reflektiert. Der Stuhl fügt sich nicht nur in den Raum oder das Zimmer ein, sondern geht in Symbiose mit ihm. Und wir spielen mit sehr sanften Tönen, die in eigentlich alle Interieurs passen.

Der Hay - S&B Dot Carpet in hot pink

Hay - S&B Geschirrtücher, Box
Hay - Colour Binder, Mountain Moss
Hay - Colour Carpet 05
Colour Glass Wasserglas niedrig von Hay mit goldenem Punkt
Karimoku - Colour Platter Teller (3er-Set), sand
 
 

Wie genau nähert ihr euch einem neuen Design?

Also heute haben wir das Privileg, dass viele unserer Kunden zu uns kommen weil sie unsere Handschrift mögen. Sie geben uns ein gutes Briefing, aber sie geben uns auch ganz viel Freiheit. Und dann beginnen wir immer, unser Konzept mit einer Skizze. Und direkt danach fangen wir an, unsere eigene Farbe, unsere eigenen Modelle und unsere eigenen Materialien zu machen.

Was heißt das genau für die Umsetzung?, möchte ich wissen.

Also was wir zum Beispiel nie machen, ist eine Farbe aus dem Glas zu benutzen. Wir mixen unsere eigenen Farben. Und es ist auch wichtig, dass die Farbe haargenau mit den Materialien zusammenpasst. Eine Farbe funktioniert beispielsweise mit Holz ganz anders, als mit einem Gewebe. Wir testen also die Farben, die wir mögen und dann fangen wir an, damit zu designen. Häufig sind unsere Kunden erst einmal überrascht, weil viele mit den Pantone Farben arbeiten oder mit Farben, die schon existieren. Wir nicht. Weil die Farben dann nicht genauso sind, wie wir sie haben wollen. Und dann sind die Endprodukte erst recht nicht, wie wir sie uns vorstellen. Wir müssen unsere Kunden also zunächst überzeugen, dass sie mit unseren Farben arbeiten.

Wo bekommt ihr eure Ideen her? Habt ihr bestimmte Vorbilder, an denen ihr euch orientiert?

Es sind wirklich unser gemeinsames Leben und all die Eindrücke, die wir von unseren Reisen mitbringen. Und Natur ist eine große Inspiration. Es gibt keine Blumen, die zu hell sind. Sie sind immer so perfekt, wie sie sind. Die Natur zeigt uns eine Balance. Und wir suchen immer nach dieser Balance mit unseren Designs. Aber am Ende muss es harmonieren und sich von anderen Produkten abheben. Unser neues Studio ist direkt beim Rijksmuseum und deswegen sind wir nah bei Künstlern wie Stedelijk und Van Gogh. Und in unserer Geschichte haben wir viele großartige Vorbilder wie Mondrian und Rietveld. Das beeinflusst uns möglicherweise schon.

Scholten & Baijings Studio

Neu bei Connox: Kissen Kissen Colour von Hay

Colour Merino-Kissen von Hay No.9
Hay - Kissen Colour No.3 in Pink / Grün
Hay Kissen Colour No.4 in grün / grau
Hay Kissen Colour No.8 in gelb/grün
 
 

Sind es die Farben, die euer Design von anderen unterscheidet?

Es sind auch die Farben, aber es sind all die Details und auch die Ausstrahlkraft. Die fluoreszierende Farbe, die wir zum ersten Mal in 2005 benutzten ist nach wie vor ein Bestseller. Und nun sieht man viele fluoreszierende Farben im Interior-Design, aber bis dahin gab es keine. Genauso mit den grafischen Mustern, heute siehst du sie überall. Wir haben schon vor Jahren begonnen, damit zu arbeiten. Weil wir denken, wenn wir ein bestimmtes Raster nutzen, das eine bestimmte Schichtung erzeugt, dann bringt es zum Beispiel das Holz mehr zum Vorschein, sodass du es besser sehen kannst. Das ist etwas, mit dem wir liebend gerne arbeiten.

Hast du eine Lieblingsfarbe?

Also, ich persönlich liebe Pink… [Sie muss lachen.]

Und ich muss schmunzeln. Ich mag Pink auch und das sage ich ihr schnell.

Es ist einfach eine fröhliche Farbe…

Ja, das stimmt. Aber eigentlich mögen wir alle unsere Farben. Vor kurzem haben wir eine neue Farb-Palette für die Colour Plaids für HAY kreiert. Wir haben eine Skizze gemacht, haben nach Garnen geschaut, haben diese mit zum Textilmuseum nach Tilburg genommen. Dort haben wir ein Labor und dort kannst du an den Maschinen herumprobieren und die Maschinen stoppen und eine neue Farbe versuchen und wieder anhalten. Also wenn wir dieses Labor nicht hätten, dann wäre es viel schwieriger Textilien zu entwickeln. Vor allem, weil es normalerweise in den Fabriken keine Zeit für so etwas gibt. Anhalten ist Geld. Aber wir brauchen das, um sicherzugehen, dass die Farben die richtige Pop-ness haben. Und dann ist es für uns auch wichtig, mit Kunden zu arbeiten, die es respektieren, dass wir mehr Zeit für Prototypen brauchen – um letztendlich das richtige Ergebnis erzielen zu können. Farben sind total schwer, in Massenproduktion zu produzieren. Wir haben auch unsere eigenen Färber, die das Garn färben.

Hee Lounge Chair von Hay in ArmyUnsere Empfehlung für Sie:HayJetzt ansehen!

Ist Farbe etwas typisch Niederländisches?

Nein. Ich glaube, dass bizarre mit Farbe ist, dass… In der Musik, hast du Noten und dann kannst du dein Stück komponieren. Aber bei Farben gibt es nicht diese eine Grammatik. Also klar, es ist niederländisch im Sinne von Van Gogh zum Beispiel aber ich bin mir nicht sicher, ob Farben typisch niederländisch sind. Ich denke, es gibt nur ein paar, die wirklich an der Arbeit mit Farbe interessiert sind – wie Hella Jongerius.

Es ist also gut, euch zu haben – für Menschen, die Farben mögen, fasse ich mit einem Lächeln noch einmal zusammen.

Du hast schon gesagt, dass ihr sehr viel reist. Habt ihr einen Lieblingsort oder fühlt ihr euch zu einer bestimmten Landschaft, Kultur oder Region besonders hingezogen?

Also wenn wir in Kopenhagen sind, dann fühlt es sich wie zu Hause an. Die Stadt hat einiges, das Amsterdam auch hat: viele Fahrräder, es ist nicht zu groß, es ist gemütlich, das Wetter ist auch wie hier. Und naja. Weil ich blond bin, fangen alle immer an, auf Dänisch mit mir zu sprechen.

Wir lachen beide.

Wir mögen es aber auch, nach Seoul zu reisen. All diese großen Gebäude, Berge und dann kommst du nach Hause und dann denkst du, „Oh, unser World Trade Center ist eigentlich ganz schön klein…“. Ja und wir lieben Japan, es ist wie ein zweites Zuhause für uns. Letztes Jahr waren wir außerdem viel in Amerika, dort haben wir mit Herman Miller an einem Sofa gearbeitet, und meine Schwester lebt in New York. Ach, wir mögen all diese Länder und Städte. Aber manchmal ist es auch schön zu Hause zu sein.

Verständlich.

Hast du ein Hobby oder woher nimmst du deine Energie?

Also unsere Arbeit ist wirklich das, was wir lieben. Es ist das, was uns Energie gibt. Und wir haben einen dreieinhalbjährigen Sohn. Es ist so gut, ihn zu haben, auch für uns als Designer. Durch ihn sehen wir mehr Details und sind nicht so in Eile. Wir sehen genauer hin, so wie Kinder es tun. Und das ist eine gute Balance zu all dem Reisen und dem Arbeiten. Und: Wir sind in unser neues Studio gezogen. Es ist in einem alten Gebäude von 1925 und es gibt einen wunderbaren Außenbereich. Wir haben de bekannten Landschaftsarchitekten Piet Oudolf gebeten unseren Garten anzulegen. Seine Gärten sind sehr poetisch mit Blumen, Bienen und Schmetterlingen. Unser Studio ist somit wie unser zweites Zuhause und es ist sehr wichtig, dass die Umgebung wirklich inspirierend ist. Wir haben auch einen kleinen Shop, SHOP/SHOP, Ruysdaelkade 2-4 in Amsterdam, – es ist der wahrscheinlich kleinste in Amsterdam.

Meine letzte Frage: Falls du eine Nachricht an die Welt formulieren könntest, wie würde diese lauten?

Was wir gerade wirklich brauchen, ist viel Liebe für unsere Mitmenschen und Respekt. Ich denke, wir sollten uns alle respektieren, mehr als wir es je getan haben.

Danke, liebe Carole, für das wunderbare Interview!


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Beitrag vom 06.08.2018, von Caren Schwenke

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