Tim Rundle im Interview

„Mich inspirieren die Menschen, die meine Produkte nutzen und die Räume, in denen sie wohnen“

Tim Rundle - Interview

Tim Rundle wurde in Neuseeland geboren, lebt mittlerweile in London und hat sich gemeinsam mit dem skandinavischen Label Menu einem Leuchtenprojekt gewidmet, das einem seiner wichtigsten Grundsätze folgt: das urbane Leben mithilfe von Technik auf elegante Art und Weise zu erleichtern. Wir haben mit dem Designer über die Zusammenarbeit mit Menu, seinen Schaffensprozess und die Bedeutung von Design in unserer heutigen Welt gesprochen.

Tim, mit welchen Worten kann man dich am besten beschreiben?
Ich würde mich als entschlossen beschreiben. Und vielleicht als ein bisschen seltsam.

Du bist vor 10 Jahren von Neuseeland ins knapp 19.000 Kilometer entfernte Großbritannien gezogen – dazu muss man tatsächlich ziemlich entschlossen sein. Was hat dich persönlich und dich als Designer so an London gereizt?
Bevor ich nach London gezogen bin, kamen für mich auch viele andere Städte auf der Welt in Frage. Aber letztendlich hat London für mich damals das Beste aus all ihnen vereint. Es ist einfach eine Welthauptstadt für Design und Kultur. Und viele Designstudios, die ich schon lange bewundere, sind hier ansässig.

Tim Rundle - Interview

Wann wusstest du, dass du Designer werden möchtest?
Schon als Kind habe ich immer gemalt und Sachen auseinandergebaut, um zu sehen, wie sie zusammengesetzt sind. Und ich war früh ein großer Fan von modernistischen Möbeldesigns. Ich weiß noch ganz genau, wie ich zum ersten Mal den PK22 Lounge Chair von Poul Kjaerholm
gesehen habe – das war wie eine Offenbarung für mich. Deshalb war die Architekturschule der nächste logische Schritt. Und dort lernte ich dann Industrial Design kennen und lieben.

Und jetzt arbeitest du nicht nur in deinem eigenen Designstudio, sondern unterrichtest auch noch am Royal College of Art im Master-Studiengang Design Products.
Genau, einmal die Woche bin ich als Tutor tätig. Es ist schon eine riesige Ehre, Kurse zu geben, die auch schon Designgrößen wie Jasper Morrison und Konstantin Grcic absolviert haben. Ich unterrichte dort wirklich viele talentierte junge Designer. Und lerne selbst auch dabei – nämlich meine eigenen Arbeiten mindestens so kritisch und streng zu betrachten wie die meiner Studenten.

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Welche Ansprüche stellst du an ein Produkt?
Ein tolles Produkt muss für mich im echten Leben immer so gut aussehen und so gut funktionieren wie auf den Fotos. Es sollte das Ambiente des Raumes unterstreichen – auf eine positive und ruhige Weise. Ohne aufdringlich zu sein.

Wo findest du Inspiration für deine Entwürfe?
Eigentlich überall, so viel kann ich gar nicht aufzählen. Aber vor allem inspirieren mich die Menschen, die meine Produkte nutzen und die Räume, in denen sie leben. Bevor ich mich mit meinem Studio 2015 selbstständig gemacht habe, hatte ich viele Jobs in Studios, die sich auch mit Architektur beschäftigt haben. Deshalb sehe ich meine Produkte immer als Teil eines großen Ganzen, der zur Gestaltung eines gesamten Raumes beiträgt.

Was meinst du, wie hat sich die Bedeutung von Design in unserer heutigen Welt verändert?
Das ist schwierig zu sagen. Ich denke, in gewisser Weise hat Design schon immer dieselbe Funktion: Durch Design sollen Dinge entstehen, die nützlich sind, schön und nachhaltig. Heute muss dabei aber vor allem das Verantwortungsbewusstsein für die Ressourcen, die wir im Schaffensprozess verwenden, im Fokus stehen. Wir müssen anders an die Herstellung herangehen und den Lebenszyklus der verwendeten Materialien bedenken. Wir müssen sichergehen, dass unsere Entwürfe sowohl funktional als auch ästhetisch langlebig sind.

Was ist dir besonders wichtig bei der Auswahl von Materialien und Farben?
Mich faszinieren Materialien und Herstellungsprozesse. Schon ganz am Anfang denke ich darüber nach, wie etwas produziert werden kann. Bei der Farbauswahl bin ich ziemlich wählerisch – wenn auch eher unbewusst. Meistens bleibe ich in einem fast monochromen Farbspektrum und füge ein paar kleine Schattierungen hinzu – so verschmelzen die natürlichen Materialien sanft mit den Farben.

Tim Rundle - Interview

Beschreibe uns deinen Schaffensprozess.
Viele meiner spannendsten Produkte habe ich entworfen, um ein Problem mithilfe von Technik auf – das hoffe ich zumindest – elegante Weise zu lösen. Die TR Serie für Menu ist ein gutes Beispiel dafür. Wenn ich eine Idee habe, erstelle ich immer wieder Modelle und switche zwischen den Prototypen und Mock-ups am Computer hin und her. So kann ich die Produkte bei jedem Schritt ihrer Entwicklung begleiten. Das ist insbesondere für Leuchten wichtig – man muss einfach experimentieren und mit der Lichtwirkung und dem Lichtausgang spielen können.

Was ist das Konzept hinter der TR Serie?
Agile Arbeitsplätze, ständige Umzüge – wir folgen mehr und mehr einer nomadischen Lebensweise. Also warum sollten das nicht auch die Objekte tun, die uns umgeben? Genau auf dieser Frage beruht das Design der Serie. Die TR Glühbirne kann einfach auf jede Schraubfassung gedreht werden und lässt so – als Leuchtmittel und Diffusor in einem – überall eine klassische kugelförmige Leuchte entstehen.

Du bist selbstständiger Designer, unterrichtest an der Uni und hast Familie – wie kriegst du Arbeit und Freizeit unter einen Hut?
In den ersten Jahren nach der Studiogründung ist es schwer, Balance zu halten. Deshalb versuche ich, alles zu vereinen. Glücklicherweise ist meine Frau auch Designerin – das macht vieles leichter.

Zum Schluss noch drei Entweder-Oder-Fragen: Futurismus oder Klassizismus?
Beides. Mich faszinieren die Konzepte von Ordnung und Proportionen der klassischen Architektur genauso wie der Gedanke an unser Leben in der Zukunft.

Kunst oder Design?
Design. Ich liebe und schätze Kunst. Aber ich glaube es würde mir schwerfallen, kreativ zu arbeiten, wenn ich dabei nicht die kommerziellen und technischen Bedingungen, die Design verlangt, erfüllen müsste.

Zuhause oder unterwegs?
Wahrscheinlich irgendetwas dazwischen. Für jemanden, der zwei 19.000 Kilometer voneinander entfernte Orte sein Zuhause nennt, ist das eine sehr schwere Frage.

Tim Rundle - Interview

Vielen Dank, Tim, für deine Zeit und die spannenden Einblicke.


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Beitrag vom 03.12.2018

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