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Das Erbe des Freischwingers

Warum ein Jahrhundert-Design weit mehr ist als die Summe seiner Materialien

Thonet - Blog

Der Freischwinger ist eines der einflussreichsten Stuhldesigns der Moderne. Und anders als bei so vielen archetypischen Möbeln lässt sich seine Herkunft ganz eindeutig bestimmen: Mart Stam hat ihn 1926 erfunden. Ein Jahrhundert später ist der Freischwinger mehr als ein Stuhl. Er ist der Beweis dafür, dass großes Design entsteht, wenn man aufhört, in alten Mustern zu denken.

Außerdem sorgte der erste Freischwinger für einen Präzedenzfall im Urheberrecht, an dessen Ende eine überraschende Lösung stehen sollte. Also lasst uns zum 100-jährigen Jubiläum einmal in die spannende Geschichte des heute als Thonet S 33/S 34 bekannten Entwurfes blicken.

1. Sitzen, wippen, Beine baumeln lassen – auf diesem Stuhl sitzt es sich anders

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Was aussah wie ein Ding der Unmöglichkeit, wurde zur Ikone. Als der erste Freischwinger aus Stahlrohr 1926 designt und ein Jahr später als Teil der Werkbund-Ausstellung präsentiert wurde, war die Skepsis groß: Wie sollte ein Stuhl ohne hintere Beine das Gewicht eines Menschen tragen?

Doch hinter dem scheinbar schwebenden Design steckte eine clevere Idee: die gezielte Nutzung der Zugfestigkeit von Stahl und ein mutiger Bruch mit allem, was Möbeldesign bis dahin bedeutet hatte.

Der Freischwinger hat streng genommen keine Beine, dafür ist der Rahmen vorne zu einem Bügel geformt. Das Gestell ist nach hinten gebogen, wodurch der Stuhl einen sicheren Stand erhält und leicht wippt.

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Die Idee, einen Stuhl ohne Hinterbeine zu entwerfen, stammt von Mart Stam, der ab 1925 mit Gasrohren zu experimentieren begann – und als dessen Ergebnis der heutige Urtyp des Freischwingers S 33 hervorging.

2. Ein Meilenstein der Moderne erblickt das Licht der Welt

Aber lasst uns am Anfang beginnen.

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Der niederländische Architekt Mart Stam gilt heute als Schlüsselfigur der Moderne. Wie Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe vertrat auch er die Prinzipien des Bauhauses. Eines dieser Prinzipien: die Demokratisierung des Designs. Ergo die Bezahlbarkeit von gutem Design, etwa durch Massenproduzierbarkeit.

Wohnen sollte nicht teuer sein.

Wahrscheinlich begann er deshalb, mit Gasrohren für seine Möbelentwürfe zu experimentieren, einem sehr günstigen und leicht verfügbaren Material. Das Ergebnis war der hinterbeinlose Kragstuhl, den er mit zwei Stoffpanelen für Sitz- und Rückenfläche versah. Mit diesem Archetyp des Freischwingers gelang es Mart Stam, den Material- und Produktionsaufwand auf ein Minimum zu reduzieren.

Nun könnte man denken, dass so eine innovative Idee auf dem Markt einschlagen würde, wie eine Bombe.

Tat sie zunächst aber nicht.

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Mart Stam war nicht der erste Designer, der mit Stahlrohr arbeitete. Auch Marcel Breuer beschäftige sich am Bauhaus zeitgleich mit einem Stahlrohr-Möbelprogramm. Stams Stuhl ohne Hinterbeine inspirierte zahlreiche seiner Zeitgenossen zu ähnlichen Designs.

Zum Verkaufsschlager aber wurde sein Freischwinger zunächst nicht. Zu sachlich war der Entwurf und zu radikal seine Materialwahl. Die meisten Menschen wollten keine industriell anmutenden Möbel zu Hause. Zu befremdlich erschienen sie ihnen in ihren eigenen Wohnwelten aus Eichenholz – zwischen Jugendstil-Anrichte und Biedermeier-Sofa.

3. Der weltweit erste Urheberrechtsstreit um ein Möbelstück

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Es dauerte eine Weile, bis der klassische Freischwinger mit der Modellnummer B 33, den wir heute als Thonet S 33/S 34 kennen, sein Publikum fand.

Nichtsdestotrotz war Stam von Beginn an von seinem Design überzeugt und ließ sich seinen Entwurf urheberrechtlich schützen. Das wiederum führte zum wahrscheinlich ersten Urheberrechtsstreit um ein Möbelstück überhaupt.

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Es stehen sich gegenüber: Mart Stam und Marcel Breuer. Beide hatten die Rechte an ihren Stahlrohrstühlen an Anton Lorenz bzw. die Firma Standard Möbel abgetreten. Standard Möbel wiederum wurde von Thonet aufgekauft.

1929 brachte Thonet die Freischwinger B 33 und B 34 heraus und schrieb sie Marcel Breuer zu. Ungünstig nur, dass diese beiden Stühle formal identisch mit Mart Stams Entwurf waren. Was folgte, war ein Rechtsstreit zwischen Lorenz und Thonet bzw. Breuer. Dieser ging durch die Instanzen, bevor er 1932 vom Reichsgericht in Leipzig zugunsten der Kläger entschieden wurde.

Thonet durfte seinen Stuhl nun nicht mehr als Design von Marcel Breuer verkaufen.

Thonet - Produktion

Kurioserweise verkaufte Anton Lorenz kurz darauf seine gerade erhaltenen Rechte an Thonet. Darüber hinaus sprach der Bundesgerichtshof Mart Stam 1961 das Urheberrecht an dem Entwurf des Freischwingers zu. Das bedeutet, dass das Design in Deutschland als Werk der angewandten Kunst urheberrechtlich geschützt ist. Das gilt im Übrigen noch bis 2056. Exakt 70 Jahre nach seinem Tod.

4. Das Erbe des ersten Freischwingers

Trotz anfänglicher Schwierigkeiten, die dem Geschmack der Zeit geschuldet sein dürften, und der gerichtlichen Auseinandersetzungen gilt der Freischwinger von Mart Stam heute als Archetyp dieses Stuhltypus.

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Heute sind Freischwinger sehr beliebt. Auch, weil sie sehr bequem sind. Die kontrollierte Nachgiebigkeit gut gestalteter Ausleger sorgt für einen anpassungsfähigen Komfort, mit dem starre Stühle nicht mithalten können.

Das Prinzip freitragender Stühle, die nicht mehr auf vier Beinen ruhen, findet sich heute immer wieder. Eine ganze Reihe ikonischer Designs beruhen auf dem federnden Effekt der Stuhlkonstruktion – so zum Beispiel der MR Stuhl von Mies van der Rohe, Gerrit Rietvelds Zig Zag Stuhl und natürlich der Panton Chair.

5. Ein starker Stoff zum 100-jährigen Freischwinger-Jubiläum

Thonet - S 33 V Stühle und S 34 V Armlehnstühle

Thonet feiert 100 Jahre Freischwinger mit der neuen Variante S 33 V/S 34 V. Die Soft-Variante ist eine textile Rückbesinnung auf die Anfänge in den 1920er Jahren. Die frühen Sitzmöbel aus Stahlrohr waren häufig mit dem sogenannten Eisengarnstoff bespannt. Tatsächlich enthielt der Stoff allerdings kein Eisen. Der Name bezieht sich auf die Festigkeit der Textilien.

Zum 100. Jubiläum der Stühle von Mart Stam greift Thonet die textile Bespannung als Alternative zum klassischen Kernleder wieder auf. In der Soft-Variante der Stam’schen Freischwinger begegnen sich die Klarheit und konstruktive Logik der ursprünglichen Idee mit jener Freude an Farbe und Textil, die schon die 1920er-Jahre prägte.

Thonet - S 33 V Stuhl, perlweiß / corn (Stoff Rohi Cento)
Thonet - S 34 V Armlehnstuhl, perlweiß / lotus (Stoff Rohi Cento) / Armlehne Eiche geölt
Thonet - S 32 V Stuhl, Chrom / Nussbaum / Rohrgeflecht mit Kunststoffstützgewebe dark melange
Thonet - S 33 V Stuhl, perlweiß / ray ( Stoff Rohi Cento)
Thonet - S 34 V Armlehnstuhl, Chrom / resedagrün (Stoff Gabriel Nobel) / Armlehne Walnuss geölt
S 33 Stuhl von Thonet in Chrom / Kernleder Schwarz

Jetzt erzählen diese Stühle eine vertraute Geschichte neu – und zeigen, dass selbst Ikonen wandelbar bleiben. Die klar definierten Proportionen des kubischen Stuhls wirken in den zarten Nuancen der Stoffbezüge fast schon feminin – taktil und absolut wohnlich.

Thonet - S 33 V Stühle und S 34 V Armlehnstühle

Der Thonet S 33 V Stuhl und der Thonet S 34 V, das Modell mit Armlehnen, zeichnen sich durch eine gemütliche Optik und noch mehr Komfort aus. Beide eignen sich ideal als Stuhl an deinem Esstisch, am Schreibtisch oder als Stuhl im Schlaf- oder Gästezimmer.

Und der Freischwinger beweist: So ein 100 Jahre alter Klassiker kann einen immer wieder aufs Neue begeistern.

6. Was uns die Geschichte des Freischwingers lehrt

Und was lernen wir daraus? Wahre Innovation braucht Mut – und sie hat einen unschätzbaren Wert. Mart Stam hat nicht einfach nur ein Möbel gebaut; er hat durch beharrliches Experimentieren mit scheinbar ungeeigneten Materialien ein jahrhundertealtes Denkmuster zertrümmert. Dass dieser radikale Entwurf heute eine Ikone ist, verdanken wir seinem Pioniergeist. Er hat eine völlig neue Designsprache begründet, die Generationen von Gestaltern bis heute inspiriert.

Gleichzeitig zeigt die Geschichte, dass eine geniale Idee Pflege braucht. Eine Ikone bleibt nur lebendig, wenn man sie behutsam weiterdenkt.

Thonet - S 33 V Stuhl, perlweiß / ray ( Stoff Rohi Cento)Unsere Empfehlung für Sie:ThonetJetzt ansehen!

Genau das tut Thonet.

Mit neuen Materialien, zeitgemäßen Farben und Texturen wird das Erbe von Mart Stam nicht einfach nur verwaltet, sondern im Geiste des Erfinders in die Gegenwart geholt.

Die Geschichte lehrt uns also: Großes Design überdauert die Zeit – vorausgesetzt, man investiert die Leidenschaft und die Ressourcen, um es immer wieder neu zu verlieben.

Beitrag vom 22.05.2026

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